„Reform des Turbo-Abiturs unausweichlich“

Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie die Eltern in Nordrhein-Westfalen sind sich einig: Das von der schwarz-gelben Landesregierung eingeführte Abitur nach 12 Jahren, dem so genannten G8, führt zu einer unerträglichen Belastung der Schülerinnen und Schüler.

Durch die Verkürzung der Sekundarstufe I (Modell „9 plus 3“) musste das wöchentliche Stundenvolumen deutlich ausgeweitet werden. Dies hat dazu geführt, dass zehn- bis zwölfjährige Schülerinnen und Schüler inklusive ihrer Hausaufgabenzeit eine wöchentliche Arbeitsbelastung von mehr als vierzig Stunden haben – mehr als die meisten Erwachsenen.

Lösungsansätze der Landesregierung blieben bisher jedoch unzureichend:

  • Das Motto „Samstag statt Ganztag“ führte zu Recht zu massiven Protesten aller Beteiligten.
  • Bei der Umsetzung der eiligst beschlossenen
    „Verschlankung der Lehrpläne“ wurden Schulen, Schüler und Eltern alleine gelassen. Die Schulministerin teilte
    lediglich mit, die Lehrkräfte seien nicht in der Lage, die neuen Kernlehrpläne umzusetzen.
  • Erst im Frühjahr 2009 gab die Landesregierung dem massiven öffentlichen und parlamentarischen Druck nach und präsentierte ihre äußerst mangelhaften Pläne zum Ausbau von Ganztagsschulen. Statt dem Bundesprogramm zum
    Ausbau der Ganztagsschulen zu folgen und einen Eigenanteil der Kommunen von 10 Prozent für den Ausbau des Ganztags festzusetzen, müssen die Kommunen nun mindestens 50 Prozent übernehmen.

    Durch das Modell „9 plus 3“ wird das Gymnasium zudem bewusst von anderen Schulen abgekoppelt. Ein reibungsloser Übergang von anderen Schulen wird erschwert, zudem erhalten Schülerinnen und Schüler die nach Klasse 9 das Gymnasium verlassen wollen, keinen Abschluss mehr, unabhängig von ihren Noten.

    Ein weiteres großes ungelöstes Problem stellt der doppelte Abiturjahrgang 2013 dar. Nach der aktuellen Schulabgängerprognose werden für das Jahr 2013 insgesamt
    131.700 Schulabgänger mit Hochschulreife prognostiziert. Dies sind rund 53.000 mehr als im Vorjahr.

    Die Landesregierung hat bisher keine ernsthaften Lösungsansätze hierfür entwickelt. Es werden lediglich 11.000 zusätzliche Studienplätze in Aussicht gestellt, Anreize für zusätzliche Lehrstellen werden nicht geschaffen.

    Für die SPD ist eine Reform daher unausweichlich:

  • Das G8-Konzept muss generell überarbeitet werden.
  • Schülerinnen und Schülern muss die Möglichkeit eröffnet werden, ihr Abitur am Gymnasium nach 12 oder 13 Jahren zu machen.
  • Alle Schulen, an denen das Abitur nach 12 Jahren absolviert wird, müssen Ganztagsschulen mit Mensa und Rückzugsmöglichkeiten für Lehrkräfte und Schülerinnen
    und Schüler sein.
  • Für den doppelten Abiturjahrgang 2013 muss ein Maßnahmenkatalog entwickelt werden, damit die Kapazitäten von Studien- und Ausbildungsplätzen entsprechend dem Bedarf ausgeweitet werden.
  • Die Prüfungstermine von G8 und G9 im Jahr 2013 müssen entzerrt werden, z.B. könnten Schülerinnen und Schüler des G9-Jahrgangs ihr Studium im Sommersemester aufnehmen.